Das Wichtigste im Überblick
- Als Bauherr tragen Sie mehr Verantwortung und Risiken, haben aber größere Gestaltungsfreiheit und Einsparpotenziale als bei einem Bauträgerprojekt
- Bei Bauträgerverträgen profitieren Sie von klaren Zeitplänen und festen Preisen, benötigen jedoch besondere Absicherungen gemäß der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV)
- Die frühzeitige rechtliche Beratung kann bei beiden Modellen erhebliche finanzielle Vorteile bringen
Der Unterschied zwischen Bauherr und Bauträger ist für viele Menschen, die den Traum vom Eigenheim verwirklichen möchten, oft nicht klar ersichtlich. Doch genau dieses Verständnis kann entscheidend für den Erfolg Ihres Bauprojekts sein. Als erfahrene Kanzlei mit umfassender Expertise unterstützt Werner Rechtsanwälte Sie dabei, die richtige Entscheidung zu treffen und Ihre Interessen optimal zu schützen. In diesem Artikel erläutern wir Ihnen die wesentlichen Unterschiede, rechtlichen Grundlagen und praktischen Konsequenzen beider Modelle.
Was bedeutet es, Bauherr zu sein?
Als Bauherr sind Sie die Person, die ein Bauvorhaben in Auftrag gibt und finanziert. Sie schließen direkte Verträge mit Architekten, Planern und ausführenden Handwerksbetrieben. Der Bauherr trägt die wirtschaftliche und rechtliche Verantwortung für das gesamte Projekt und ist Eigentümer des Grundstücks, auf dem gebaut wird. Die Bauherreneigenschaft bringt eine Reihe von Rechten und Pflichten mit sich:
- Entscheidungsfreiheit: Sie bestimmen über alle Details der Planung und Ausführung
- Koordinationsaufgaben: Sie müssen verschiedene Gewerke koordinieren oder dies an Fachleute delegieren
- Kostenverantwortung: Unvorhergesehene Mehrkosten müssen Sie tragen
- Bauaufsicht: Die Überwachung des Baufortschritts und der Qualität liegt in Ihrer Verantwortung
- Versicherungspflichten: Sie müssen entsprechende Versicherungen für die Bauphase abschließen
Die Rolle des Bauträgers
Ein Bauträger hingegen ist ein Unternehmen, das Bauprojekte gewerblich durchführt. Der Bauträger bietet Ihnen den Erwerb einer noch zu errichtenden oder in Bau befindlichen Immobilie inklusive Grundstück an und übernimmt in der Regel auch die Bauleistung. Das bedeutet, dass der Bauträger zunächst selbst als Bauherr auftritt und alle damit verbundenen Pflichten übernimmt.
Im Gegensatz zum Bauherrenmodell schließen Sie beim Bauträgermodell nur einen einzigen Vertrag – den Bauträgervertrag. Dieser umfasst sowohl den Grundstückskauf als auch die Errichtung des Gebäudes und vereint damit Elemente des Kauf- und des Werkvertragsrechts.
Rechtliche Grundlagen im Vergleich
Die rechtliche Unterscheidung zwischen Bauherr und Bauträger basiert auf verschiedenen gesetzlichen Grundlagen:
Bauherrenmodell:
- Werkvertragsrecht (§§ 631 ff. BGB): Regelt die Beziehungen zu Architekten und Handwerkern
- Einzelverträge mit verschiedenen Gewerken
- Bauherrenrisiko liegt vollständig beim Bauherrn
Bauträgermodell:
- Kombiniertes Kauf- und Werkvertragsrecht (§§ 433 ff. und §§ 631 ff. BGB)
- Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV): Enthält wichtige Schutzvorschriften für Erwerber
- Bauträgervertragsrecht nach §§ 650u-v BGB bei Verbrauchern
- Ein Gesamtvertrag regelt alle Aspekte von Grundstückskauf und Bauleistung
Finanzielle Unterschiede und Risiken
Als Bauherr:
Beim Bauträgermodell:
Beim Bauträgermodell profitieren Sie von der Sicherheit eines Gesamtfestpreises, den Sie mit dem Bauträger für die schlüsselfertige Immobilie vereinbaren. Dies verschafft Ihnen von Beginn an Klarheit über die Investitionssumme. Die Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) schützt Sie dabei als Erwerber, indem sie vorschreibt, dass Zahlungen ausschließlich gemäß dem tatsächlichen Baufortschritt fällig werden dürfen. Ein weiterer wichtiger Schutzmechanismus sind die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheiten nach § 650m BGB, die Ihre geleisteten Anzahlungen absichern und Sie vor finanziellen Verlusten bei Problemen schützen. Die Finanzierungsplanung gestaltet sich durch die von Anfang an bekannten Gesamtkosten wesentlich einfacher und übersichtlicher als beim Bauherrenmodell. Ein Nachteil des Bauträgermodells liegt allerdings in den reduzierten steuerlichen Vorteilen, da der Erwerb einer fertigen Immobilie nicht die gleichen Abschreibungsmöglichkeiten bietet wie die Position des Bauherrn, was sich langfristig auf Ihre Steuerbelastung auswirken kann.
Vor- und Nachteile im direkten Vergleich
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile beider Modelle in einer übersichtlichen Tabelle zusammengefasst:
Bauherrenmodell
Vorteile:
- Maximale Gestaltungsfreiheit bei Planung und Ausführung
- Kostenoptimierung durch Vergleich verschiedener Anbieter möglich
- Möglichkeit der Eigenleistung zur Kostenreduzierung
- Direkter Einfluss auf Qualität und Ausführung
- Steuerliche Vorteile durch Abschreibungsmöglichkeiten
Nachteile:
- Hoher Zeitaufwand für Koordination und Überwachung
- Volles Kostenrisiko bei Verzögerungen oder Baumängeln
- Komplexe Vertragsgestaltung mit zahlreichen Parteien
- Bauherrenrisiko nicht delegierbar
- Längere Bauzeit als beim Bauträgermodell üblich
Bauträgermodell
Vorteile:
- Ein Ansprechpartner für das gesamte Projekt
- Vertragliche Festlegung von Fertigstellungstermin und Preis
- Geringerer Zeitaufwand für den Erwerber
- Gesetzlicher Schutz durch MaBV und Verbraucherbauvertragsrecht
- Gewährleistungsansprüche für das gesamte Objekt
Nachteile:
- Eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten
- Höhere Gesamtkosten durch Gewinnmarge des Bauträgers
- Abhängigkeit von der Bonität und Zuverlässigkeit des Bauträgers
- Begrenzter Einfluss auf die Bauausführung
- Weniger steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten
Wann ist welches Modell das richtige für Sie?
Die Entscheidung zwischen Bauherren- und Bauträgermodell hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Das Bauherrenmodell eignet sich für Sie, wenn:
- Sie viel Wert auf individuelle Gestaltung legen
- Sie über ausreichend Zeit für die Projektkoordination verfügen
- Sie Erfahrung im Bauwesen haben oder sich diese zutrauen
- Sie bestimmte Arbeiten in Eigenleistung erbringen möchten
- Sie bereit sind, höhere Risiken für potenzielle Kostenvorteile einzugehen
Das Bauträgermodell ist für Sie vorteilhaft, wenn:
- Sie eine „Sorglos-Lösung“ mit minimalem Eigenaufwand suchen
- Ihnen Planungssicherheit bei Kosten und Terminen wichtig ist
- Sie wenig Zeit für die Baubegleitung aufbringen können
- Sie keine Erfahrung im Bauwesen haben
- Sie Wert auf klare Gewährleistungsansprüche legen